Sektion: Übersetzung
Koordinatorin: Carmen Gómez García

 

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  Verlagswesen und literarische Übersetzung

Die bedeutende Rolle, die ein Verleger bei der Entwicklung des sogenannten literarischen oder intellektuellen Kanons einer Kultur einnimmt, ist weithin bekannt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ergänzen sich Verlagswesen und Übersetzung in einem medialen System, das das kulturelle Leben eines Landes bestimmt. Die Verlagskultur eines Landes ist sogar ein entscheidender Faktor für die Normierung einer literarischen Kultur geworden, die jedoch zugleich auch durch Willkür gekennzeichnet ist, ohne dass bisher festgelegt wurde, in welchen Maße die nationalen Konventionen willkürlich sind. Dazu muss der Prozess der Textübertragung ins Auge gefasst werden, bei dem der Übersetzer nur eines von vielen Elementen darstellt, die den Mechanismus der Entstehung eines Werkes aus einem Schriftstück ausmachen, Bestandteile, die bisher nicht genügend Beachtung gefunden haben, obwohl sie den Schlüssel für die erfolgreiche Entwicklung dieses Prozesses bilden.

In unserer Sektion wird es auch um den medialen Kanonisierungsprozess eines Werkes im Rahmen der Globalisierung gehen. Zugleich mit der Evokation dieses Begriffs als massive Erweiterung des Wahrnehmungsraums etabliert sich jedoch eine nationale Literatur und Literaturkritik, die nicht frei von wirtschaftlichen, sozialen und sogar politischen Interessen ist, und die das Fundament darstellt, auf dem die Textedition zustande kommt.

Der literarische Text ist ebenso zur Bestätigung einer kollektiven Identität, zu einem Gewebe geworden, das seine normative und normalisierende Funktion erweitert, wenn es nationalisiert und zu einem Objekt der Lektüre wird, um der Vermittlung und Reproduktion eines maßgebenden und gestaltenden Kulturprogramms zu dienen. Die Übertragung einer fremden Kultur erfüllt damit die doppelte Funktion der Identifikation und der Begrenzung, die nicht nur eng mit der Textbearbeitung verbunden ist, die eine sich dem Fremden anpassende oder assimilierende Annäherung an die Differenz verursacht, sondern auch mit der Frage der Übersetzbarkeit überhaupt.

Unsere Sektion konzentriert sich hauptsächlich auf die literarische Übersetzung aus der Perspektive des Verlagswesens, d.h. ausgehend von all den Faktoren, die in den Prozess der Textproduktion eingreifen. Es sollen außerdem die Konsequenzen angesprochen werden, die sich durch diesen Prozess auf die Übersetzung eines Werkes selbst auswirken und zuletzt auch auf seine Rezeption:

  • Der Schriftsteller als Übersetzer. Das Phänomen der Selbstübersetzung
  • Der Übersetzer als Schriftsteller: die Frage nach der Zulässigkeit und dem künstlerischen Mut. Sprachschöpfer?
  • der Übersetzer als Literatur- und Übersetzungskritiker
  • der "klassische" Verleger als Institution und Kulturförderer
  • die Funktion der Verlagslektoren, scouts, Literaturagenten, Kritiker, Verleger und anderer Vertreter aus dem Verlagswesen
  • mediale Kanonisierungsprozesse des übersetzten Textes
  • Übersetzung und Alterität. Postkoloniale Studien im Lichte der Edition
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