Sektion: Linguistik
Koordinatorin: Berit Balzer

 

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  Die kontrastive Linguistik deutsch-spanisch/spanisch-deutsch ist ein relativ junges Forschungsgebiet, das sich bisher noch auf wenige Gesamtstudien – diese besonders in Form von Grammatiken, Inventaren und Lehrwerken – stützt. Es ist jedoch unseres Erachtens ein Bereich, in dem noch enorm viel zu leisten ist, was konkrete sprachvergleichende Fragen anbelangt, denn gerade hier kann die theoretische Linguistik auch Richtlinien für Neuerungen und Modifikationen in der DaF-Didaktik vorgeben.

Wie können Lehrwerke und Lehrmaterial gezielt für einen Lerner eingesetzt werden, dessen Hürden ungleich anderer Art sind als die eines Lerners mit etwa einer skandinavischen oder slawischen Muttersprache? Können, sollen, dürfen, müssen wir auf die Charakteristiken einer Gruppe, die ja den Hauptteil unserer Publikums ausmacht, intensiver eingehen, als dies beim allgemeinen "Ausländerunterricht" geschieht? Dass wir alle dies wollen, steht wohl außer Frage.

Sind spanisch sprechende Menschen anders "gestrickt" als die übrigen linguistischen Gruppen, mit denen sich der DaF-Unterricht im Inland befasst? Hat sich ihre Disposition im Laufe der Zeit, d. h. über den Generationenwechsel, geändert? Wie kann man dem hispanofonen Lerner die deutsche Sprache auf rationale Weise näher bringen? Welche Aspekte sollten ihm kommunikativ-spielerisch vermittelt werden, welche Strukturen begreift er leichter und schneller in Form von paradigmatischen Gegenüberstellungen? Hängt hier die geeignete Strategie nicht von den soziokulturellen Erfahrungen des jeweiligen Lerners mit der eigenen Sprache und einer oder mehreren Fremdsprachen ab? Welche sprachwissenschaftlichen Erkenntnisse sollte ein jeder von uns bei der Erstellung von Lehrmaterial und bei der Vermittlung von Inhalten berücksichtigen? Sind diese Erkenntnisse auch relevant für andere Wissensgebiete wie Literatur- und Kulturwissenschaft?

Weil uns allen diese Probleme ganz speziell am Herzen liegen, möchten wir Germanisten und Deutschlehrer in Spanien und Iberoamerika einladen, sich aktiv an der hiermit initiierten Debatte zu beteiligen, und zwar sowohl mit ihren Teilstudien und Forschungsergebnissen als auch mit solchen Fragestellungen, die sich im Zuge ihrer Lehrtätigkeit aufwerfen. Die Sprachkompetenz in Deutsch und Spanisch sollte bei den Referenten gewährleistet sein, damit Fehldiagnosen oder fehlerhafte Beispiele nach Möglichkeit ausgeschlossen werden können.

Diese Sektion wird sich mit theoretischer und angewandter Linguistik befassen. Die Phänomene sollen in jedem Referat jeweils in beiden Sprachen beschrieben und mit repräsentativen Beispielen belegt und erklärt werden. Diese Erklärungen können partieller Art sein oder auch den augenblicklichen Stand der Forschung wiedergeben. Besonders erwünscht sind (handfeste) Hypothesen und Streifzüge auf bisher noch unerforschtes Gebiet. Es geht uns vor allem darum, konkrete Studien im interkulturellen Sprachvergleich voranzutreiben, und sei es in sehr kleinen Schritten. Deswegen sind auch Promotionsanwärter, die sich mit einem der oben genannten Themen befassen, herzlich eingeladen, ihre Projekte zu unterbreiten.

Die Auswahl der vorgeschlagenen Vortragsthemen wird nach Kriterien der Originalität und der kontrastiven Relevanz vorgenommen. Daher bitten wir Sie, den Titel und das Resumee so präzise wie möglich zu formulieren, so dass daraus ersichtlich ist, zu welchem/welchen der unten genannten Teilgebiete Ihr Vortrag sich zuordnen lässt. Folgende Aspekte bieten sich an und sollten aus kontrastiver Sicht behandelt werden:

  • linguistische Terminologie im Sprachvergleich
  • vergleichende Phonetik und Phonologie
  • Grundzüge der Lexikologie in beiden Sprachen
  • die Semantik im Sprachvergleich
  • Fremdwort, Lehnwort, Lehnübersetzung
  • sprachhistorische Gemeinsamkeiten und Einflüsse
  • Theorie der Wortbildungsmuster deutsch-spanisch/spanisch-deutsch
  • zum Stand der Lexikografie deutsch-spanisch/spanisch-deutsch
  • das Tempussystem im Vergleich: Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Bestand und Gebrauch
  • der Ausdruck der Modalität im Vergleich
  • das Nomen: Genus und Numerus, Singularia- und Pluraliatantum
  • Onomastik: Eigennamen, Personennamen, Ortsnamen, Herkunftsbezeichnungen
  • die nominale Gruppe: Determinanten und Attribuierung
  • Satzglieder und Konstituenten, Probleme der Wort- und Satzstellung
  • Negationsträger und Position der Negationspartikeln im Satz
  • Probleme der Kongruenz: Numerus und Kasus, Subjekt und Prädikatskern
  • Satz und Text: Konnektoren, Deixis, Anaphorisches, Kataphorisches
  • pragmalinguistische Gemeinsamkeiten und Unterschiede
  • Fragen der Textlinguistik: Struktur, Funktion, Typologie, Stilistik
  • Standardsprache und Sprachvarietäten: Norm und Abweichung
  • Stellenwert der Phraseologie in beiden Sprachen: Was ist sprachspezifisch?
  • Fehleranalyse: Ursachen für häufige Fehlerquellen und deren Behebung
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